Senkrechtmarkise und ZIP-Screen: So funktionieren sie an Terrassendach und Wintergarten

22. Oktober 2026 9 Min. LesezeitAktualisiert 22. Oktober 2026
Kurz beantwortet

Eine Senkrechtmarkise ist ein Stoffbehang, der senkrecht vor einer Glasfläche oder der offenen Seite eines Terrassendachs nach unten fährt und vor Sonne, Blendung und Blicken schützt. Ein ZIP-Screen ist eine besonders windstabile Form davon: Der Stoff hat an den Rändern ein Reißverschlussband, das in den seitlichen Führungsschienen läuft, sodass er nicht flattert und kaum seitliche Lichtspalten lässt. Wie viel Wind eine Anlage aushält, gibt die Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13561 an.

Wintergarten mit salbeigrünem Sofa
Das Wichtigste in Kürze

Eine Dachmarkise schützt das Glasdach, doch am Morgen und Abend kommt die Sonne flach von der Seite. Dann helfen Senkrechtmarkisen und ZIP-Screens. Hier lesen Sie, wie beide funktionieren, was sie bei Wind aushalten, wie sie an Terrassendach und Wintergarten montiert werden und was ihren Preis bestimmt.

Senkrechtmarkise und ZIP-Screen im Vergleich

MerkmalSenkrechtmarkise mit Seil- oder SchienenführungZIP-Screen
Führung des StoffsSeile oder Schienen, Stoffrand loseReißverschlussband fest in der Schiene
Verhalten bei WindTuch kann flattern, früher einfahrenTuch bleibt gespannt
Seitliche Lichtspaltensichtbarkaum
Insektenkommen seitlich durchweitgehend abgehalten, wenn geschlossen
Optikleichter, filigranerklare Linien, breitere Schienen
Einsatzkleinere Flächen, geschützte Lagengroße Flächen, windige Lagen, Terrassendach-Seiten
Preis-Tendenzgünstigerhöher

Die Tabelle ist eine qualitative Einordnung. Welche Windklasse und welche Maße eine Anlage erreicht, steht in den Unterlagen des Herstellers.

1. Was ist eine Senkrechtmarkise?

Eine Senkrechtmarkise ist ein Stoffbehang, der aus einer Kassette senkrecht nach unten fährt. Sie sitzt vor Fenstern, Glaswänden oder der offenen Seite einer Terrassenüberdachung und wird auch Vertikalmarkise oder Seitenmarkise genannt.

  • Seilgeführt: Der Stoff läuft an gespannten Seilen, einfach und unauffällig.
  • Schienengeführt: Seitliche Schienen halten den Stoff besser in Position.
  • Mit Ausstellarm: Der untere Teil lässt sich schräg nach außen stellen, bekannt von Balkonen.
  • ZIP-Screen: Der Stoffrand ist in die Schiene eingefädelt, die stabilste Variante.

Die Markise hält tief stehende Sonne ab, die unter dem Dach hindurch auf Terrasse oder Glasfront scheint. Gleichzeitig dient sie als Sicht- und Blendschutz.

2. Wie funktioniert ein ZIP-Screen?

Ein ZIP-Screen funktioniert wie eine Senkrechtmarkise, bei der der Stoff an beiden Seiten mit einem Reißverschlussband versehen ist. Dieses Band läuft in einem Kanal der Führungsschiene und hält den Stoff auf der ganzen Höhe fest.

  • Das Tuch kann seitlich nicht aus der Schiene springen und bleibt gespannt.
  • Zwischen Stoff und Schiene entsteht kaum ein Spalt, das hält Licht und Insekten ab.
  • Eine Unterleiste mit Gewicht zieht den Stoff nach unten und schließt am Boden ab.

Durch diese Bauweise eignen sich ZIP-Screens auch für große Flächen, etwa die ganze Front einer Terrassenüberdachung. Bei sehr breiten Öffnungen setzt der Fachbetrieb mehrere Anlagen nebeneinander.

3. Wie windstabil sind Senkrechtmarkise und ZIP-Screen?

Wie viel Wind eine Markise aushält, beschreibt die Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13561. Die Norm teilt außenliegende Markisen in Klassen ein; je höher die Klasse, desto mehr Wind darf auf die ausgefahrene Anlage wirken.

  • Die Klasse hängt vom ganzen System ab: Stoff, Schienen, Befestigung und Größe.
  • Große Anlagen erreichen oft eine niedrigere Klasse als kleine desselben Typs.
  • Ein ZIP-Screen erreicht durch die feste Stoffführung in der Regel eine höhere Klasse als eine seilgeführte Markise.
  • Ein Windwächter fährt die Anlage ein, bevor die freigegebene Grenze erreicht ist.

Fragen Sie im Angebot nach der Windwiderstandsklasse für genau Ihre Maße. Wie stark Ihr Standort belastet ist, hängt von der Windzone ab, die der Wissensartikel Schneelast und Windlast erklärt. In Küstennähe und auf freien Flächen ist ein ZIP-System meist die bessere Wahl.

4. Welcher Stoff eignet sich?

Für Senkrechtmarkisen und ZIP-Screens werden vor allem technische Screen-Gewebe verwendet. Sie sind formstabil, wetterfest und lassen je nach Webart mehr oder weniger Durchsicht.

  • Screen mit Durchsicht: Sie sehen von innen nach außen, Sonne und Blendung werden gedämpft.
  • Dichtes Gewebe: mehr Sichtschutz, weniger Durchsicht.
  • Verdunkelnder Stoff: blickdicht, sinnvoll etwa für Schlafräume.

Wie offen ein Gewebe ist, beschreibt der Öffnungsfaktor, den der Hersteller angibt. Helle Stoffe werfen mehr Sonnenlicht zurück, dunkle Stoffe erlauben meist die bessere Sicht nach draußen. Lassen Sie sich Muster zeigen und halten Sie sie vor Ihr Fenster.

5. Einsatz an der Terrassenüberdachung

An einer Terrassenüberdachung schließt eine Senkrechtmarkise die offene Front oder die Seiten gegen Sonne, Blicke und leichten Wind. Die Kassette wird meist unter der Rinne oder zwischen den Stützen befestigt.

  • Statik: Bei Wind drückt der Stoff gegen die Schienen und leitet Kräfte in Stützen und Fundament. Der Hersteller der Überdachung muss das freigeben.
  • Maße: Stützenabstand und Höhe unter der Rinne bestimmen, wie breit eine Anlage sein kann.
  • Boden: Der Stoff schließt am Boden mit einer Unterleiste ab; der Untergrund sollte eben sein.
  • Kombination: An der Wetterseite ist eine feste Glaswand besser, an den anderen Seiten reicht oft eine Markise.

Welche Seitenlösungen es noch gibt, zeigt der Ratgeber Terrassenüberdachung Seitenwand. Alle Möglichkeiten für Dach und Seiten vergleicht der Ratgeber Terrassenüberdachung Sonnenschutz.

Terrassenüberdachung mit Sonnenschutz

6. Einsatz am Wintergarten

Am Wintergarten wird die Senkrechtmarkise außen vor den senkrechten Glasflächen montiert. Dort hält sie die Sonnenwärme ab, bevor sie durch das Glas kommt, und wirkt deshalb gegen Hitze besser als ein Rollo innen.

  • Sie ergänzt die Dachmarkise: Das Dach wird von oben beschattet, die Seiten von der Seite.
  • Besonders wichtig ist sie an West- und Südwestseiten, wo die Abendsonne flach einfällt.
  • Vor Schiebetüren muss die Kassette so sitzen, dass die Türen frei laufen.
  • Die Steuerung sollte mit Dachmarkise und Lüftung zusammenarbeiten.

Was die Dachbeschattung angeht, hilft der Ratgeber Wintergarten-Markise. Weitere Tipps gegen Überhitzung stehen im Ratgeber Wintergarten im Sommer zu heiß.

7. Antrieb und Steuerung: Kurbel oder Motor?

Senkrechtmarkisen gibt es mit Kurbel und mit Motor, ZIP-Screens werden fast immer motorisiert. Ein Motor ist bequemer und Voraussetzung für eine Automatik, die auch bei Abwesenheit reagiert.

  • Kurbel: einfach, ohne Strom, für kleine Anlagen
  • Motor mit Taster oder Funk: Standard bei größeren Flächen
  • Solar-Akku-Antrieb: kein Stromkabel nötig, praktisch beim Nachrüsten
  • Sensoren: Sonnensensor fährt aus, Windwächter fährt ein

Für den Stromanschluss ist ein eingetragener Elektrofachbetrieb zuständig. Planen Sie die Kabelwege möglichst gleich mit der Überdachung oder dem Wintergarten.

8. Was treibt die Kosten einer Senkrechtmarkise?

Für Senkrechtmarkisen und ZIP-Screens gibt es keinen belastbaren Pauschalpreis, weil Größe und Ausstattung stark variieren. Die Preise unterscheiden sich außerdem stark je Anbieter.

KostentreiberWovon er abhängt
GrößeBreite und Höhe je Anlage, Zahl der Anlagen
BauartSeilführung, Schienenführung oder ZIP-System
StoffScreen, dichtes Gewebe oder Verdunkelung
AntriebKurbel, Motor, Funk oder Solar-Akku
SensorikSonnensensor, Windwächter, Anbindung an eine Steuerung
MontageBefestigungsgrund, Höhe, Zugänglichkeit
Stromvorhandene Leitung oder neue Kabelwege

Vergleichen Sie mindestens drei Angebote mit gleichen Maßen und gleicher Ausstattung. Achten Sie darauf, dass Windklasse, Stoff und Antrieb ausdrücklich genannt sind. Angebote von Fachbetrieben aus Ihrer Region erhalten Sie über die Anfrage.

9. Senkrechtmarkise, Raffstore oder Rollladen?

Die Senkrechtmarkise ist die leichteste und meist flexibelste Lösung für senkrechte Glasflächen, aber nicht die einzige. Raffstore und Rollladen erfüllen andere Aufgaben.

  • Senkrechtmarkise und ZIP-Screen: Sonnen- und Blendschutz mit Durchsicht, schmale Kassette, auch für die offenen Seiten eines Terrassendachs.
  • Raffstore: verstellbare Aluminium-Lamellen, die Licht fein lenken; robuster gegen Wind, aber mit größerem Kasten und am Terrassendach selten.
  • Rollladen: verdunkelt ganz und bietet etwas Einbruchhemmung, lässt aber keine Durchsicht und kein Tageslicht herein.

Für die Glasfront eines Wintergartens oder die Seiten einer Überdachung ist die Senkrechtmarkise deshalb meist die naheliegende Wahl. Eine Übersicht aller Beschattungsarten gibt der Ratgeber Wintergarten-Beschattung.

10. Pflege und Winter: Worauf achten?

Eine Senkrechtmarkise braucht wenig Pflege, sollte aber nur trocken eingefahren werden. Ein nass aufgewickelter Stoff kann Stockflecken bekommen.

  • Bei Regen ausgefahren lassen, bis der Stoff getrocknet ist, sofern kein Sturm droht.
  • Schienen ab und zu von Laub und Schmutz befreien.
  • Stoff mit weicher Bürste und klarem Wasser reinigen, ohne Hochdruckreiniger.
  • Bei Frost nicht ausfahren, wenn die Unterleiste am Boden festgefroren sein könnte.

Checkliste: Senkrechtmarkise oder ZIP-Screen planen

  • Welche Seiten bekommen tief stehende Sonne oder Wind?
  • Reicht eine seilgeführte Markise, oder braucht die Lage ein ZIP-System?
  • Welche Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13561 hat die Anlage in meinen Maßen?
  • Gibt der Hersteller von Terrassendach oder Wintergarten die Befestigung frei?
  • Welcher Stoff passt zu Durchsicht und Sichtschutz?
  • Motor, Funk oder Solar-Akku, und gibt es einen Windwächter?
  • Sind mindestens drei vergleichbare Angebote eingeholt?

Fachbetriebe für Beschattung und Terrassenüberdachungen in Ihrer Nähe finden Sie im Verzeichnis.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Senkrechtmarkise und ZIP-Screen?

Beide fahren senkrecht vor Fenster oder offene Seiten. Bei einer einfachen Senkrechtmarkise wird der Stoff nur über Seile oder Schienen geführt und kann sich bei Wind bewegen. Beim ZIP-Screen ist der Stoffrand mit einem Reißverschlussband fest in den Schienen gehalten. Er ist dadurch windstabiler und lässt kaum Licht an den Seiten durch.

Wie windstabil ist ein ZIP-Screen?

ZIP-Screens gelten als windstabiler als Markisen mit Seilführung, weil der Stoff seitlich nicht ausweichen kann. Wie viel Wind eine bestimmte Anlage aushält, sagt die Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13561, die der Hersteller angibt. Ab dieser Grenze sollte ein Windwächter die Markise automatisch einfahren.

Kann man eine Senkrechtmarkise an einer Terrassenüberdachung anbringen?

Ja, das ist einer der häufigsten Einsätze. Die Markise wird meist an der Rinne oder zwischen den Stützen befestigt. Weil sie bei Wind Kräfte in die Konstruktion leitet, muss der Hersteller der Überdachung das System freigeben, und die Befestigung sollte ein Fachbetrieb übernehmen.

Hält ein ZIP-Screen Regen ab?

Ein geschlossener ZIP-Screen hält leichten Regen und Spritzwasser teilweise ab, ist aber keine dichte Wand. Viele Hersteller empfehlen, die Anlage bei starkem Regen oder Sturm einzufahren. Wer einen echten Wetterschutz an der Seite braucht, plant besser eine Glaswand oder Glasschiebeelemente.

Was kostet ein ZIP-Screen?

Eine seriöse Pauschale gibt es nicht. Der Preis hängt von Breite und Höhe, Stoff, Antrieb, Sensorik und dem Aufwand für Befestigung und Stromanschluss ab. Holen Sie mindestens drei Angebote mit gleichen Maßen und gleicher Ausstattung ein.

Braucht man für eine Senkrechtmarkise eine Genehmigung?

Für eine Senkrechtmarkise am eigenen Haus ist in der Regel kein Bauantrag nötig. Anders kann es bei Denkmalschutz oder einer örtlichen Gestaltungssatzung sein, dann fragen Sie beim Bauamt nach. In einer Mietwohnung brauchen Sie die Zustimmung des Vermieters, in einer Eigentümergemeinschaft meist einen Beschluss.

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